Zuspitzung der Ölkrise – Folgeeffekte zweiter und dritter Ordnung
Kurznotiz zu sekundären Folgen und Auswirkungen auf meine Investments
Vorbemerkung
Ich bitte um Entschuldigung, dass ich derzeit so viel veröffentliche. Eigentlich möchte ich zu einem wöchentlichen Veröffentlichungsrhythmus kommen. Aber aktuell passiert schlicht zu viel. Frei nach Lenin: Es gibt Jahrzehnte, in denen nichts geschieht, und Jahre, in denen Jahrzehnte geschehen.
Über die Iran-Krise habe ich bereits an anderer Stelle geschrieben (hier), ebenso über eine faktische Blockade der Straße von Hormus (hier). War die Öl-Infrastruktur bisher “Off-Limits”, kommt jetzt seit dem Wochenende neu dazu, dass gegen die Infrastruktur der Ölindustrie militärisch vorgegangen wird.
Öl ist die Lebensader unserer modernen Gesellschaft. Manche Verwendungen und Abhängigkeiten springen sofort ins Auge, andere werden erst sichtbar, wenn man sich intensiver mit der Materie beschäftigt.
Im Folgenden gebe ich anhand einiger weniger Beispiele wieder, wie sich die explodieren Energiepreise zusätzlich auswirken können.
Nachgelagerte Folgen der Ölkrise
Öl und Gas wirken als energetische Inputkosten auf zahlreiche Prozesse. Steigende Benzinpreise und höhere Flugkosten sind dabei noch die offensichtlichsten Folgen.
Mangelnde Lieferungen von schwefelhaltigen Rohöl erhöhen die Kosten von Schwefel. Dadurch drohen Knappheiten. Kupferschmelzen geraten -neben den Energiekosten- unter zusätzlichen Kostendruck, was wiederum die Kupferpreise steigen lässt.
Jede Mine ist energieintensiv. Wenn Energie teurer wird, steigen auch die Kosten für die Förderung von Metallen und Kohle. Entsprechend dürften auch Metall- und Kohlepreise anziehen. Metalle sei hier im übergeordneten Sinne zu verstehen (Nickel, Cobalt, Zinn, Kupfer usw.)
Höhere Kosten für fossile Energien könnte zur Erkenntnis führen Wind- und Solarenergie nochmals zu stärken. Doch so einfach ist es nicht: Dass Wind und Sonne nicht ohne Weiteres grundlastfähig sind, sollte mittlerweile hinreichend bekannt sein. Wichtiger im Kontext meines Artikels ist aber der Fakt, dass steigende Minenkosten auch Kohle, Erz und damit Zement verteuern. Steigende Kupferpreise (siehe oben) und höhere Zementkosten würden folglich auch den Ausbau der Windenergie erheblich verteuern.
Erdgas ist ein zentraler Faktor bei der Herstellung von Düngemitteln. Steigende Gaspreise führen deshalb zu höheren Düngemittelpreisen und in der Folge zu höheren Lebensmittelpreisen und -Knappheiten. Länder rationieren Exporte, jeder kämpft für sich selbst. Der Arabische Frühling wurde nicht zuletzt auch durch stark steigende Weizenpreise begünstigt.
Auswirkungen auf die Märkte
Die obigen Überlegungen zeigen beispielhaft einige mögliche Folgeeffekte einer Ölkrise. Lohnt es sich deshalb, in die entsprechenden Minenaktien umzusteigen? Eher nicht. Die steigenden Kosten können den positiven Effekt höherer Rohstoffpreise auf der Umsatzseite teilweise oder sogar vollständig auffressen. Außerdem ist zu erwarten, dass ein allgemeiner Abverkauf an den Märkten, falls sich die Lage zuspitzt, zunächst fast alle Anlageklassen mit nach unten zieht. Besonders gefährdet sind Unternehmen, die eine hohe Energiequote in ihrer Kostenstruktur und wenig “Pricing Power” auf ihrer Einnahmenseite haben.
Ist Gold ein sicherer Zufluchtsort? Auch das ist nicht garantiert. In Phasen akuter Marktstresssituationen brauchen viele Akteure vor allem Liquidität. Dann steigen Korrelationen oft gegen 1, und selbst klassische „sichere Häfen“ geraten unter Druck.
Damit bleiben aus meiner Sicht vor allem eine hohe Cash-Quote und – für diejenigen, die Zugang dazu haben – Absicherungen über Futures und Optionen sowie direkte Investments in Rohstoffe. Diese dürften grundsätzlich profitieren. Einzelne Rohstoffe wie Kupfer könnten jedoch zunächst wegen Konjunktursorgen unter Druck geraten, bevor sie später umso stärker steigen.
Mit diesem Artikel wollte ich zum Nachdenken anregen und einige Szenarien beschreiben, die eintreten können, aber nicht müssen. Es kann auch ganz anders kommen. Vielleicht – und hoffentlich – wird der Konflikt schneller gelöst oder beendet, als derzeit befürchtet. Am Ende geht es in unserer Branche immer um Wahrscheinlichkeiten und der Versuch sich entsprechend zu positionieren.
Auch wenn meine letzten Marktartikel fast alle einen eher negativen Unterton hatten, bin ich grundsätzlich ein Optimist. Oder wie man an der Küste sagt: Nach Ebbe kommt irgendwann auch wieder die Flut. Kaufgelegenheiten werden kommen, wenn wir durch das “Schlamassel” durch sind. Die nächste Woche wird spannend.
Disclaimer: Dies ist keine Anlageberatung. Die dargestellten Inhalte geben ausschließlich meine persönliche Meinung wieder und stellen keine Kauf-/Verkaufsempfehlung dar. Ich kann in den genannten Wertpapieren investiert sein. Investitionen erfolgen auf eigenes Risiko.



