Uran: Ein Investment mit Strahlkraft
Der Uransektor ist einer meiner Investmentschwerpunkte - geringeres Nachfragerisiko als bei anderen Rohstoffen
Uran - Der Boom-Bust-Zyklus trifft auf eine besondere Nachfrage
Rohstoffmärkte verlaufen zyklisch: Boom- und Bust-Phasen wechseln sich ab. Steigende Preise ziehen Kapital an, Investitionen fließen in den Sektor und das Angebot wird ausgeweitet (Boom). Mit Verzögerung entsteht oft ein Überangebot, die Preise fallen, Projekte werden eingestellt, Unternehmen gehen insolvent und frisches Kapital bleibt aus. Das Angebot schrumpft (Bust). Aufgrund der dann wieder knapper werdenden Versorgung steigen die Preise erneut – der Zyklus, häufig auch Schweinezyklus genannt, beginnt von vorn.
Wer in Rohstoffe investiert, muss daher Angebot und Nachfrage im Blick behalten. Grundsätzlich gilt: Das Angebot reagiert deutlich träger als die Nachfrage. Ein Vorkommen zu entdecken, zu genehmigen, zu finanzieren und bis zur Produktion als Mine zu entwickeln, ist ein mehrjähriger Prozess – als Faustregel werden oft 10–15 Jahre genannt.
Auf diesen langfristigen Angebotszyklus legt sich ein kurzfristigerer Nachfragezyklus, der stark von der Konjunktur abhängt. Kurz: Rohstoffpreise folgen langfristig der Angebotsseite, schwanken kurzfristig aber stark nachfrageseitig.
Aktuell befinden wir uns in einer säkulären Boomphase. In welchem „Inning“ (oder auch Viertel) wir stehen, ist unklar. Viele Rohstoffe sind zuletzt gut gelaufen; entsprechend wächst die Sorge vor konjunkturellen Rücksetzern. Und noch etwas gehört zur Wahrheit: Rohstoffaktien sind extrem volatil. Selbst in säkularen Bullenmärkten sind Korrekturen von 30–50 % nicht ungewöhnlich.
Warum Uran? Nachfrage ist außergewöhnlich „starr“
Das Verhältnis vieler Deutscher zur Kernenergie ist speziell. International wirkt Deutschlands Sonderweg in Gesprächen mit Investoren häufig befremdlich – manchmal sogar amüsant. Unabhängig davon ist der Uranmarkt aus Investorensicht in mehrfacher Hinsicht besonders.
Die Renaissance der nuklearen Stromerzeugung hat mehrere Treiber:
CO₂-arme Stromerzeugung (im Betrieb),
eine grundlastfähige Quelle („baseload“),
sowie eine stark steigende Stromnachfrage – unter anderem durch Rechenzentren und KI-Anwendungen.
Entscheidend ist jedoch die Nachfragecharakteristik: Ein Kernkraftwerk kostet in Bau und Betrieb Milliarden. Ist es einmal am Netz, muss es zuverlässig durchlaufen. Auf Uran zu verzichten, „weil es gerade teuer ist“, ist keine echte Option – das Werk darf nicht einfach den Brennstoff abbestellen. Gleichzeitig sind die Urankosten im Verhältnis zu den Gesamtkosten der Stromerzeugung eines AKW relativ gering. Das führt zu einer geringen Preissensibilität: Die Nachfrage ist preisinelastisch.
Als zusätzliches Plus kommt eine tendenziell steigende, inelastische Nachfrage hinzu: Weltweit sind grob über 400 Reaktoren in Betrieb, dazu Dutzende im Bau (mit einem Schwerpunkt in Asien, insbesondere China) und weitere Projekte in Planung.
Defizitärer Markt
Auf der Angebotsseite reagiert Uran – gemessen am Rohstoffmarkt – zwar ähnlich träge wie andere Rohstoffe, aber der Weg zum Reaktorbrennstoff ist mehrstufig:
Abbau → Aufbereitung (U₃O₈/„Yellowcake“) → Konversion → Anreicherung → Brennstofffertigung.
Unterm Strich haben wir seit einiger Zeit ein wiederkehrendes Bild: Die primäre Produktion (Minen) liegt unter dem jährlichen Verbrauch der Reaktoren. Grob gesprochen stehen derzeit rund 150 Mio. lbs jährlicher Produktion einem Verbrauch von etwa 180 Mio. lbs gegenüber. Das ergibt ein Defizit von ungefähr 30 Mio. lbs pro Jahr.
Dieses Defizit wird in der Praxis über sekundäre Quellen (z. B. Lagerbestände, Umwandlungs-/Anreicherungsströme, Bestandsverkäufe) geschlossen – aber der zentrale Punkt bleibt: Der Markt ist strukturell stark angespannt.
Zusammengefasst:
Begrenztes Angebot, das höhere Preise braucht, um neue Investitionen und profitable Produktion zu ermöglichen,
eine stetig steigende, preisinelastische Nachfrage.
Der Uransektor ist deshalb derzeit einer meiner Investmentschwerpunkte – weil ich das mittelfristige Nachfragerisiko geringer einschätze als bei vielen anderen Rohstoffen.
Uranpreis: Zyklus sichtbar
Der Boom-Bust-Zyklus lässt sich auch im Preisverlauf erkennen: 2008 markierte Uran einen Höchststand um ~136 USD. Danach folgte ein langer Bust-Zyklus mit Preisen bis in den Bereich von ~20 USD. Viele Projekte wurden eingestellt, zahlreiche Firmen verschwanden.
Spot vs. Term: Die Preiswelt im Uranmarkt
Traditionell sind die Kraftwerksbetreiber die Primärnachfrager. Sie sichern sich Uran über langfristige Lieferverträge, denn einem Reaktor darf der Brennstoff nicht ausgehen. Diese Verträge orientieren sich am weniger volatilen Term-/Contract-Preis, der seit einigen Jahren tendenziell steigt.
Der Spotmarkt gilt dagegen als vergleichsweise intransparent/opak; Preisfindung und Liquidität sind schwieriger zu greifen als bei vielen anderen Rohstoffen. Hier sind häufig Finanzakteure aktiv, die z. B. Carry- oder Arbitrage-Strategien umsetzen.
Seit 2021 gibt es zudem einen neuen, wichtigen Akteur: Sprott. Über den Sprott Physical Uranium Trust wird physisches Uran gekauft und eingelagert. Vereinfacht gesagt: Wenn die Fondsanteile am Markt mit Aufschlag (Premium) zum inneren Wert handeln, kann der Trust neue Anteile ausgeben und mit dem frischen Kapital zusätzliches Uran erwerben. Bildlich gesprochen „saugt“ der Trust in solchen Phasen Uran aus dem Spotmarkt.
Welches Preisniveau wäre plausibel?
Wenn man davon ausgeht, dass
das Angebotsdefizit nur langsam durch neue Produktion geschlossen werden kann (Experten beschreiben das Setup als deutlicher attraktiver als 2008) und
die zusätzliche Spotnachfrage durch Sprott und ähnliche Fonds den Markt strukturell stützt,
dann erscheint es plausibel, dass Uran zumindest wieder das Nominalniveau früherer Hochs testen kann – und inflationsbereinigt entsprechend höher liegen müsste. Selbst bei niedriger Inflationsannahme von 2% Inflation müsste der Preis heute inflationsbereinigt 195 USD erreichen um das Allzeithoch aus dem Jahr 2008 wieder zu erreichen. Realistischere Inflationsannahmen führen schnell zu Preise von über 250 USD. Zur Zeit liegt der Preis dagegen bei ca. 90USD.
Wie spiele ich das Setup?
Grundsätzlich gibt es zwei Wege:
Direktes Uran-Exposure über ein physisches Vehikel (z. B. Sprott).
über Minenwerte, idealerweise breit diversifiziert über ETFs.
Gängige Ticker für letzteres sind z. B. URA, URNM, URNJ.
Besonderheit beim Sprott-Vehicle
Beim Sprott Physical Uranium Trust (Ticker: U-UN.TO) schwankt der Börsenkurs um den inneren Wert (NAV). Historisch gab es Phasen mit deutlichem Discount (Abschlag) und auch Zeiten mit Premium (Aufschlag). Ein hoher Discount kann – zusätzlich zum Uranpreis – Rückenwind liefern, wenn sich dieser wieder normalisiert.
Warum ich selten Einzelwerte wähle
Wenn es im Rohstoffbereich geht, vermeide ich Einzelwerte. Als Privatanleger bleibe ich zwangsläufig „Tourist“: operative Risiken sind hoch und schwer zu beurteilen. Bei Minen kommen zusätzlich Faktoren hinzu wie:
Unfälle, Naturereignisse oder technische Probleme,
Verwässerung durch Kapitalerhöhungen,
geopolitische Risiken (viele Vorkommen liegen in politisch instabilen Regionen).
Wer kann seriös vorhersagen, wo der nächste Putsch stattfindet?
Warum ich aktuell eher den Spotpreis als Minen bevorzuge
Minenwerte sind bereits stark gelaufen. Oft schwanken sie relativ zum Uranpreis in einem Band je nach Phase des Zyklus. Befindet sich dieses Verhältnis eher am oberen Ende, wirken Minenwerte im Vergleich zum Rohstoff teurer – dann bevorzuge ich tendenziell den direkteren Rohstoff-Exposure (z. B. über physische Vehikel) statt zusätzliches Aktien-/Operativrisiko einzukaufen.
Gut verdeutlichen kann man das, wenn man einen Verhältnis-Chart wie in der folgenden Abbildung erstellt. Am Bsp. von URA zu Uran-Spotpreis lässt sich erkennen dass sich die Minenwerte in einem Band zwischen 1-2 bewegen. Mit 1,97 sind wir hier eher am oberen Ende; URA ist relativ teuer zum Uranpreis.
Risiken
Das Setup ist attraktiv – so attraktiv, dass man emotional zu Konzentration neigt. Genau deshalb ist Disziplin wichtig.
Risiko 1: Schockereignis in der Kernenergie.
Ein schwerer Anschlag oder Unfall könnte die Kurse kurzfristig massiv belasten – selbst wenn die langfristige These intakt bliebe.
Risiko 2: Technologische Disruption.
Durchbrüche in Erzeugung (z. B. andere Grundlastoptionen) oder Speicher könnten Kernenergie langfristig weniger attraktiv machen und die Uran-Nachfrage drücken.
Was sagt der Chart?
Der Monats-Chart sieht gut aus. Wir sind in einem Aufwärtstrend. Interessant bleibt, ob die Unterstützung bei ca. 28CAD hält (rote waagerechte Linie; hier verläuft auch die 50-Tages-Line auf dem Tages-Chart) ansonsten könnte etwas tiefer bei der Fibonacci-Zone bei 27,25CAD eine Unterstützung sein.
Fazit
Rohstoffe sind in den vergangenen Monaten bereits gut gelaufen. Vor dem Hintergrund meiner allgemeinen Marktsorgen wären Rücksetzer an dieser Stelle daher keine Überraschung. Das leicht verdiente Geld dürfte -mittelfristig- vermutlich bereits hinter uns liegen.
Gerade vor diesem Hintergrund halte ich Uran für eines der attraktivsten Setups im Rohstoffbereich. Der entscheidende Punkt ist für mich die stetig wachsende, vergleichsweise preisinelastische Nachfrage, die deutlich weniger konjunkturabhängig ist als bei vielen anderen Rohstoffen. Das macht den Markt strukturell enger und aus meiner Sicht robuster als zahlreiche andere Rohstoffmärkte.
Trotzdem bleibt Uran ein Rohstoffinvestment – und damit gilt auch hier: Volatilität gehört zum Spiel dazu. Wer investiert, braucht Geduld, Diversifikation und vor allem die Nerven, auch stärkere Rücksetzer auszuhalten.
Abschließend noch der übliche Hinweis auf meinen Disclaimer: Dieser Artikel ist keine Anlageberatung, sondern lediglich meine aktuelle Einschätzung des Uranmarkts. Diese Meinung kann sich jederzeit ändern – auch kurzfristig. Außerdem verweise ich auf meinen Grundlagenartikel. Und ganz ehrlich: Allein dadurch, dass ich jetzt öffentlich über Uran schreibe, steigen die Chancen wahrscheinlich deutlich, dass die Marktgötter das Thema erst einmal auf meine persönliche 40%-Fehlerseite schicken.
Disclaimer: Dies ist keine Anlageberatung. Die dargestellten Inhalte geben ausschließlich meine persönliche Meinung wieder und stellen keine Kauf-/Verkaufsempfehlung dar. Ich kann in den genannten Wertpapieren investiert sein. Investitionen erfolgen auf eigenes Risiko.








