L3 - Kein Risikomanagement = Kein Erfolg
Ich liege regelmäßig falsch – und verdiene trotzdem Geld, wie geht das? - die Antwort: ein funktionierendes Risikosystem
Jetzt wird’s langweilig – aber ohne Risikosystem kommst du nicht an
Risikomanagement ist trockener und abstrakter als Aktienauswahl. Wer jagt nicht gern der nächsten coolen Idee hinterher? Doch wer langfristig Geld verdienen will, sollte genau hier seinen Fokus setzen. Gehen wir es an.
Warren Buffet ist eine Legende an den Finanzmärkten. Mit 95 Jahren zieht er sich langsam aus dem Geschäft zurück - auf Teilzeit. Laut ihm gibt es zwei elementare Regeln der Geldanlage:
Regel Nr. 1: Schütze dein Anlagekapital vor
großenVerlusten!Regel Nr. 2: Vergesse nie Regel Nr. 1!
Aber was bedeutet das? Was heißt das konkret? Die alte Weisheit erfolgreicher Anleger bringt es auf den Punkt: Risikomanagement schlägt Aktienauswahl. Oder bildlich gesprochen:
Aber was ist darunter zu verstehen?
Während es beim Auswahlprozess darum geht die richtige Anlage herauszufiltern, geht es beim Risikomanagement darum die gewählte Anlage/Position zu managen. Wie verhalte ich mich bei Verlusten? Wie bei Gewinnen?
Viele Wege führen nach Rom – die Aktienauswahl
Zunächst kurz einführend ein paar Sätze zum Auswahlprozess: An den Finanzmärkten gibt es zahlreiche Methoden, um Anlagechancen aufzuspüren und auszuwählen. Zwei grundlegende Ansätze sind besonders verbreitet:
Ein Teil der Trader arbeitet mit Chartmustern und Price Action. Andere treffen ihre Entscheidungen auf Basis von Fundamentaldaten: Sie lesen Branchenberichte, betrachten Quartals- und Jahresabschlüsse und versuchen daraus abzuleiten, ob ein Unternehmen (und damit beispielsweise die Aktie) eher unter- oder überbewertet ist.
Daneben gibt es Investoren und Trader, die mit mathematischen Modellen arbeiten, statistische Auffälligkeiten identifizieren und Entscheidungen regelbasiert umsetzen.
Ich kam vom Ursprung her eher aus der Fundmental-Ecke. Charts waren für mich Vodoo-Zauber. Dies hat sich mit der Zeit aber grundlegend geändert. Ich benutze Charts häufig als taktisches Instrument um den richtigen Einstiegszeitpunkt zu finden. Manche Trades dagegen mache ich ausschließlich per Chartanalyse. Bei letzterem kombiniere ich immer mit Stopp-Loss-Kursen.
Märkte sind Wahrscheinlichkeiten, keine Gewissheiten
Erst mit der Zeit habe ich wirklich verinnerlicht, dass wir uns an den Finanzmärkten fast immer im Bereich von Wahrscheinlichkeiten bewegen. Es gibt selten absolute Sicherheit – selbst dann nicht, wenn die Analyse perfekt wirkt.
Auch sehr gute Investoren und professionelle Finanzmanager erreichen oft nur eine Trefferquote von ungefähr 60 %. Das bedeutet: Von zehn Entscheidungen sind im Schnitt vier Verlustgeschäfte dabei. Das zu schaffen ist schon schwer genug – und damit sind wir statistisch nicht weit von einer 50/50-Quote entfernt, die auch unsere behaarten Vorgänger mit zufälligen Würfen erreichen sollten.
Verluste treffen uns Menschen emotional oft deutlich stärker als gleich große Gewinne – und genau diese Schieflage verleitet schnell zu schlechten Entscheidungen. Ich habe erst mit der Zeit gelernt, Verluste anzunehmen, ohne sie persönlich zu nehmen. Eine Position zu schließen, die nicht aufgeht, ist weder ein Gesichtsverlust noch eine Frage der Eitelkeit, sondern schlicht ein notwendiger Schritt in einem sauberen, disziplinierten Prozess.
Nun aber zur entscheidenden Frage: Wie soll man bei 50-60% Erfolgsquote überhaupt Geld verdienen?
Warum Gewinn oft nicht bei der Auswahl entsteht, sondern danach
Für mich liegt die Antwort in der Kernbotschaft dieses Artikels: Der Anlageerfolg entscheidet sich häufig weniger bei der Auswahl, sondern beim Management nach dem Einstieg. Mit anderen Worten: Risikomanagement ist wichtiger als die konkrete Idee.
Was bedeutet das?
Ein empfehlenswertes Buch zu diesem Thema ist The Art of Execution von Lee Freeman-Shor. Stark vereinfacht lassen sich die Kernaussagen so zusammenfassen:
Gewinne sollte man laufen lassen.
Verluste sollte man klein halten (z. B. über Stopp-Loss)
explizite Ausnahme: Wenn man das Investment sehr gut versteht, und nur dann mit klarer Strategie und bewusstem Zeithorizont kann Nachkaufen sinnvoll sein.
Was man vermeiden sollte: Bei Verlusten wie das Kaninchen vor der Schlange erstarren und hoffen, dass die Position irgendwann wieder Break-even erreicht – nur um dann erleichtert zu verkaufen. Auch in fallende Messer zu greifen ist keine gute Überlegung und führt zu blutigen Händen. Meistens gibt es Gründe warum Aktien fallen.
Ein einfaches Gedankenexperiment zur Stopp-Loss-Logik:
Wenn ich bei fünf von zehn Trades jeweils 10 € verliere (Stopp-Loss) und bei den anderen fünf Gewinne zwischen 0 und „unendlich“ erziele, werde ich sehr wahrscheinlich trotz nur 50 % Trefferquote Geld verdienen – weil die Verlustseite begrenzt ist und die Gewinnseite offen. Bildlich dargestellt könnte eine Gewinnverteilung wie folgt aussehen:
Die „riskante“ Ausnahme, der Paladin-Trade
Ich hatte lange gebraucht mit der Stopp-Loss-Thematik warm zu werden. Der Grund war der, dass ich mit dieser Strategie einige meiner erfolgreichen Trades nie realisiert hätte und ich auch vorher schon auf einem für mich guten Weg war. Richtig vereint hatte für mich diesen inneren Konflikt erst das obige Buch.
Paladin Energy Ltd ist eine Uran-Minen-Aktie. Ich habe mir über die Jahre tiefes Wissen über diesen Sektor erarbeitet. Außerdem spielt(e) bei Rohstoffen oft ein klassischer Zyklus („Schweinezyklus“) eine Rolle. Ohne hier in die Details zu gehen: Unten sieht man in den roten Kreisen meine Käufe und in Grün meine Verkäufe.
(Mein erster Kauf war am 03.07.2018 bei split-bereinigten 1,75 AUD. Danach habe ich nachgekauft und meinen Einstandskurs gesenkt. Den letzten Nachkauf tätigte ich am 25.11.2019 bei 0,90 AUD – nur um dann zu erleben, dass sich die Aktie nochmals halbierte.)
So ärgerlich und frustrierend das war: Ich habe nicht verkauft und keinen Stopp-Loss genutzt, weil ich tief in der Materie steckte und überzeugt war, dass meine These langfristig aufgehen sollte.
Wichtig dabei ist aber - wer so vorgeht, muss vorab definieren:
den maximalen Kapitaleinsatz
klare Failure Points (inhaltliche Kriterien, bei denen die These als widerlegt gilt)
Im Prinzip ein inhaltlicher Stopp-Loss also: Nicht preisgetrieben, sondern thesengeleitet.
Abschließend gilt, Risiko ist mehr als ein Stopp-Loss
Viele sprechen über Einstiege. Erfahrene Marktteilnehmer sprechen über Risiko. Und Risiko besteht nicht nur aus dem Stopp-Loss. Risiko ist ein System, das mehrere Bausteine umfasst. Diese werden ich nach und nach mit einarbeiten.
Im nächsten Post im Bereich Basiswissen werde ich anhand eines Trades, den ich gemacht habe, zeigen wie Risikomanagement in der Praxis funktioniert.
Disclaimer: Dies ist keine Anlageberatung. Die dargestellten Inhalte geben ausschließlich meine persönliche Meinung wieder und stellen keine Kauf-/Verkaufsempfehlung dar. Ich kann in den genannten Wertpapieren investiert sein. Investitionen erfolgen auf eigenes Risiko.






