Richtig in Edelmetalle investieren
Über Goldbugs, Gold auf Steroiden und warum ein Cartier-Armreif vor allem die Ehefrau glücklich macht
Einführung
Wer kennt sie nicht, die Goldbugs? Immer daueroptimisch - nur goldbetreffend - und sehen ständig den nächsten Weltuntergang, den Russen kommen oder die nächste Hyper-Inflation um die Ecke kommen.
Dennoch betrachte auch ich Edelmetalle als eine sinnvolle Anlage und sie gehören meiner Meinung nach -allein aus Diversifikationsgründen- in jedes Vermögensportfolio.
Steigen wir also frei von Vorurteilen in die Thematik ein.
Interessantes über Gold
Wikipedia schreibt:
In der gesamten Geschichte der Menschheit wurden bis Ende 2024 schätzungsweise 216.265,4 Tonnen gefördert. Dies entspricht einem Würfel mit 22,37 Metern Kantenlänge (rund 11.195 Kubikmetern) reinem Gold (Reingold). 17,46 % des gesamten Goldes (Stand 2024) befinden sich im Besitz von Zentralbanken.
Geld soll je nach Lehrbuch folgende Funktionen/Eigenschaften haben: Knappheit, Haltbarkeit, Teilbarkeit, Transportierbarkeit, Fungibilität, Akzeptanz. Gold erfüllt als das monetäre Metall schlechthin viele dieser Eigenschaften besonders gut und diente deshalb über Jahrtausende als Geld.
Die Hauptfunktion für Gold sehe ich als Wertaufbewahrungsmittel. Dabei sind mir zwei Anekdoten in Erinnerung geblieben:
Es gibt das Sprichwort, dass eine Unze Gold (ca. 31,1 Gramm) schon immer die edle Kleidung eines Mannes kaufen konnte. Dies galt im alten Rom für eine edle maßgeschneiderte Toga und gilt heutzutage für einen maßgeschneiderten Londoner Herrenanzug. Laut Internet kostet ein Anzug eines guten Londoner Maßschneiders derzeit zwischen 2.000–4.000 £. Der Goldpreis notiert heute bei rund 4.100 USD pro Unze.
Zwei erfolgreiche südvietnamesische Geschäftsleute sollen ihre Ersparnisse im Keller gehortet haben. Als sie dann vor den Kommunisten fliehen mussten, kam der eine mit Papiertüten alter Währung an, der andere mit entsprechender Menge an Gold. Während letzterer ein gutes Startkapital für einen Neu-Anfang hatte, reichte es bei ersterem nur für ein zweiminütiges Lagerfeuer.
Neben der Nachfrage als Wertaufbewahrungsmittel in Reinform durch private Investoren und Notenbanken erfährt Gold daneben Nachfrage durch die Schmuckindustrie.
Korrelationen
Bei guter Depotzusammenstellung versucht man Anlageklassen zusammenzustellen, die nicht stark korrelieren. Gold hat hier seinen Platz. In der Regel ist die Korrelation zum allgemeinen Aktienmarkt gering.
Zum US-Dollar und vor allem zum allgemeinen Zinsniveau hat Gold dagegen eine historisch starke Korrelation. Dies zeigt auch der folgende Chart, der den Goldpreis zwischen 2008 und 2020 im Vergleich zum inversen Zinsniveau der US-Staatsanleihen (blaue Linie) zeigt.
Warum ist das so? Man muss sich dabei immer vorstellen, dass Anlageklassen um das knappe Kapital der Anleger wettstreiten. Gold zahlt keine Zinsen. Steigt jetzt das Zinsniveau, werden Anleihen aufgrund des höheren Zinsniveaus ceteris paribus relativ attraktiver und einige Anleger schichten einen Teil um (marginal buyer). Und an den Finanzmärkten bestimmt wie allgemein bekannt immer der marginal buyer den Preis.
Ein für den Goldmarkt einschneidendes Ereignis war der Beginn des Ukraine-Krieges. Schaut man sich den gleichen Chart nochmal ab 2020 an, sieht man, dass die Korrelation sich aufgelöst hat.
Der Westen hatte vom ausländischen russischen Staatsvermögen, das vor allem aus Gold, US-Staatsanleihen und Euro-Bonds bestand, die US-Staatsanleihen und Euro-Bonds kurzerhand eingefroren und damit “nutzlos” gemacht. Dies hat bei vielen Staaten weltweit zu starkem Umdenken und einer zusätzlichen säkulären Goldnachfrage der entsprechenden Notenbanken geführt.
Weitere Edelmetalle
Neben Gold sind hier vor allem Silber und Platin zu nennen.
Silber hat den Beinamen “Gold on steroids”. Es ist in der Regel volatiler, daher der Spitzname. Der entscheidende Unterschied zum Gold ist, dass Silber ein sogenanntes Zwitter-Metall ist, da es neben den oben beschriebenen Funktionen wegen seiner guten Leitungseigenschaften Anwendung in der Industrie findet. So ist beispielsweise in Solarpanels Silber enthalten. Wer also in Silber investiert, muss zusätzlich die entsprechenden Märkte der industriellen Anwendung, wie den Solarmarkt mit im Auge behalten.
Anleger schauen auch immer wieder auf das Gold-Silber-Verhältnis um eine Aufteilung zwischen den beiden Anlageklassen vorzunehmen. Der folgende Chart zeigt, dass Silber zuletzt relativ gesehen teurer geworden ist. Entsprechend ist das Gold-Silber-Verhältnis gesunken. Beim aktuellen Wert von 63,91 kann man mit einer Unze Gold knapp 64 Unzen Silber erwerben.
Platin ist ähnlich wie Silber und hat ebenfalls einen bedeutenden Anteil seiner Nachfrage in der Industrie, hier vor allem in der Autoindustrie bei den Katalysatoren. Wer also davon ausgeht, dass sehr zeitnah ausschließlich E-Autos herumfahren, lässt vom Platin besser die Finger. Der Verhältnis-Chart dagegen zeigt, dass Platin im Verhältnis zu Gold extrem billig ist.
Physisch direkt ins Metall investieren
Ich halte einen Teil meines Anlagekapitals in physischem Gold und Silber. Vorteil ist hier - nach obigem Beispiel die Vietnamesen betreffend, falls der Russe, Amerikaner, Grönländer oder sonst wer kommt - die Portabilität. Ein weiterer großer Vorteil ist, dass Kursgewinne beim physischen Gold & Silber nach einer Haltedauer von einem Jahr steuerfrei sind. Nachteilig sind die Kosten und das Risiko der Lagerung sowie eine mögliche Umsatzsteuer-Belastung beim Kauf. Von letzterer ist nur Gold befreit. Platin und Silber nicht.
Ich kaufe mein Gold bei Degussa. Es gibt weitere seriöse Anbieter. Gut zu wissen ist hier, dass kleine Einheiten wie z.B. 1/10-Unze relativ teurer sind. Auch besondere Münzprägungen sind teurer. Auch diese vermeide ich, da mich nur der reine Goldwert interessiert und ich keine Expertise als Münzsammler habe und hierfür keinen Aufpreis zahlen will. Apropos Aufpreis auch der Cartier-Armreif fällt darunter.
Generell ist meine Einstellung zum physischen Gold, dass ich es eher als Notreserve sehe. Ich gehe nicht davon aus, dass ich meine physischen Bestände irgendwann wieder verkaufen werde, sondern dass sich eines Tages meine Kinder oder der Maulwurf im Garten darüber freuen werden.
Daneben gehe ich mit meinem „flexiblen“ Anlagekapital je nach Marktlage immer wieder in entsprechende ETFs. Hier ist wichtig, dass man sich Fonds aussucht, die auch wirklich die entsprechenden Metalle vorhalten und nicht über Swaps und Futures den entsprechenden Metallpreis nachbilden (Papiergold). Letztere beinhalten zusätzliche Gegenparteirisiken, die physisches Metall nicht besitzt und können bei einer systemischen Krise gefährdet sein. Ich bevorzuge auch hier die Produkte von Sprott. Ticker wären PHYS (Gold), PSLV (Silber) und SPPP (Platin & Palladium).
In entsprechende Minen-Aktien investieren
Auch Minenaktien haben den Beinamen “on steroids”. Ein einfaches Beispiel zeigt hier warum:
Steigt der Metallpreis um 30 %, steigt zunächst der Umsatz um 30 %. Da viele Kosten unverändert bleiben, erhöht sich der Gewinn jedoch häufig überproportional. Nach Lehrbuch müsste sich die Aktie in unserem Beispiel wegen dementsprechender Gewinnentwicklung mehr als verdoppeln.
Bei der Auswahl rate ich nichts zu verkomplizieren und in die entsprechenden ETFs zu gehen. Gängige Ticker sind hier GDX und SIL. Auch die entsprechenden Sprott-Fonds sind in Ordnung. Einzelinvestments mische ich nach ausgiebiger Analyse bei. Dennoch bleibe ich trotz langjähriger Erfahrung in diesem Sektor ein Stück weit ein Tourist. Ich bin kein Geologe und wer kann sowieso schon sagen, wo der das nächste Erdbeben oder der nächste militärische Putsch stattfindet.
Wer dennoch in Einzelinvestments gehen will, sollte sich mit dem Projekt, dem Standort und dem Management und dessen Track-Record (bisherige Erfolge) genaustens auseinandersetzen.
Abschließend ist festzustellen, dass die Minenaktien im Verhältnis zu Gold zur Zeit weder ausgesprochen teuer noch billig sind.
Die aktuelle Lage
Erstaunlicherweise hat Gold auf den Beginn des Iran-Konflikts bislang nicht wie ein klassisches Krisenmetall reagiert und stattdessen deutlich korrigiert. Zuletzt hatte Gold erstaunlicherweise sogar Korrelationen mit der Technologie-Börse Nasdaq.
Vorher waren Gold & Silber -auch wegen der oben erwähnten Einfrierung russischer Währungsreserven- zwei Jahre sehr gut gelaufen.
Inhaltlich lässt sich die Korrektur seit Februar diesen Jahres auch mit den zuletzt stark gestiegenen Inflationserwartungen begründen. Diese bedingen einen Anstieg des Zinsniveaus, was dem Goldpreis schadet. Die historische Korrelation scheint wieder langsam zu greifen.
Charttechnisch liegt Gold zur Zeit genau in der Fibonacci-Zone. Wer sein Invest als kurz bis mittelfristiges Trading-Invest sieht, kann sich hier eindecken und Stopp-Loss-Kurse unterhalb der Fibzone setzen, falls diese nicht hält.
Wer längerfristig denkt, für den ist das derzeitige Kursniveau sicherlich kein schlechter Einstiegszeitpunkt. Allerdings ist das derzeitige Marktumfeld sehr speziell. Sollte der Ölpreis - wie von mir nach wie vor erwartet- steigen, könnte das den Markt und damit auch Gold belasten. Ich halte daher zur Zeit nur mein physisches Metall und warte noch etwas bis ich demnächst wieder in die entsprechenden ETFs reingehe. Vielleicht dann aber auch ein Stück weit zu spät.
Fazit
Mit diesem Artikel wollte ich eine grundlegende Einführung in den Edelmetallsektor geben.
In diesem Sinne: Wir sehen uns demnächst bei Degussa mit Mütze und falschem Bart in der Schlange - natürlich nur als Käufer.
Disclaimer: Dies ist keine Anlageberatung. Die dargestellten Inhalte geben ausschließlich meine persönliche Meinung wieder und stellen keine Kauf-/Verkaufsempfehlung dar. Ich kann in den genannten Wertpapieren investiert sein. Investitionen erfolgen auf eigenes Risiko.








